Künstliche Intelligenz: Das Ende der Arbeit, wie wir sie kennen?

Künstliche Intelligenz: Das Ende der Arbeit, wie wir sie kennen?

Autonom fahrende Autos oder Spracherkennung des Smartphone-Assistenten: Die künstliche Intelligenz (KI) hat längst Einzug in unser Leben gehalten. Unternehmen sind angesichts der Vorteile, die ihnen diese Technologie bringt, begeistert. Doch mit den Vorteilen kommt auch die Angst vor der Digitalisierung. Die Vorstellung, dass die künstliche Intelligenz vermehrt den Menschen ersetzt, ist weit verbreitet.  

Viele Menschen stellen sich daher die Frage: Wird eine intelligente Maschine in Zukunft meinen Job erledigen? Und was passiert dann mit mir? 

In unserem Blogartikel möchten wir uns ausführlicher mit dieser Thematik auseinandersetzen. 

Die Zukunftsvision

Sind wir Menschen so einfach durch Computer zu ersetzen? Um diese Frage zu beantworten, werfen wir zunächst einen Blick auf das Schachspiel. 

1997 besiegte der Deep Blue Computer von IBM den Schachweltmeister Garry Kasparov in einem Match. Als Reaktion darauf entwickelte sich in den folgenden Jahren das Konzept des "Zentaurenschachs" zu einem beliebten intellektuellen Prüfstein in Diskussionen über die künstliche Intelligenz.

Doch was bedeutet "Zentaurenschach"? Die Idee dahinter ist einfach: Da eine künstliche Intelligenz den besten menschlichen Spieler im Schach besiegen konnte, wären eine KI und ein Mensch, die zusammenarbeiten - also ein „Zentaur" -, der mächtigste Spieler von allen. Die Kooperation von Mensch und Maschine wäre unübertrefflich. 

Tatsächlich waren gemischte Teams, bestehend aus Menschen und künstlicher Intelligenz, eine Zeit lang in der Lage, KI-Programme beim Schach zu übertreffen. "Zentaurenschach" wurde als Beweis für die Unersetzbarkeit menschlicher Kreativität gefeiert. 

„Menschliche Großmeister sind gut in der langfristigen Schachstrategie, aber schlecht darin, Millionen möglicher Züge vorauszusehen - während das Gegenteil für schachspielende KIs gilt. Und weil ein Menschen und künstliche Intelligenz in unterschiedlichen Dimensionen stark sind, können sie als Zentauren allein Solo-Spieler und Computer schlagen. “ - Nicky Case 

Quelle: How To Become A Centaur

Aber im Laufe der Jahre hat die maschinelle Intelligenz ihre unaufhaltsame exponentielle Entwicklung fortgesetzt und uns weit hinter sich gelassen. Ihre Fähigkeit im Lernen ist unübertrefflich; mit Machine Learning schafft sie es, Muster und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und Lösungen dafür zu entwickeln. Computer schlagen heutzutage jeden menschlichen Spieler beim Schach.

Heute spricht niemand mehr über Zentaurenschach. Künstliche Intelligenz ist der Menschheit in diesem Bereich jetzt so weit überlegen, dass Menschen im direkten Vergleich versagen. Sieht so unsere Zukunft in allen Bereichen aus?

Der Verlust von Arbeitsplätzen

Die Angst ist gegenwärtig: Eine künstliche Intelligenz mag in vielen Bereichen noch nicht an den Menschen heranreichen, doch sie holt in ihrer Entwicklung schnell auf. Für viele ist daher der Verlust von Arbeitsplätzen durch Automatisierung und Digitalisierung keine schöne Aussicht.

Viele Unternehmen sind jedoch vom Einsatz der künstlichen Intelligenz begeistert. Schließlich können sie mit Hilfe von KI ihre Produkte schneller und günstiger produzieren. Von der niedrigen Fehlerquote, die durch den menschlichen Faktor bei der Produktion entsteht, ganz zu schweigen. 

Wenn beispielsweise ein KI System einen LKW unter allen Bedingungen nachweislich besser und sicherer fahren kann als ein Mensch, ist es aus der Sicht der Unternehmen und auch der Gesellschaft einfach nicht sinnvoll, einen Menschen ans Steuer zu setzen. Tatsächlich wäre es beinahe schädlich und verschwenderisch, einen Menschen für diese Arbeit weiterhin zu bezahlen: Abgesehen von gesparten Arbeitskosten wird die künstliche Intelligenz niemals abgelenkt, fährt niemals betrunken und kann 24 Stunden am Tag auf der Straße bleiben, ohne schläfrig zu werden.

Ein weiteres Beispiel kommt aus der Radiologie. Die Hauptverantwortung der Radiologen besteht darin, medizinische Bilder auf das Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Merkmale wie Tumoren zu untersuchen. Muster- und Objekterkennung in Bildern sind genau das, was Deep Learning auszeichnet.

"Künstliche Intelligenz wird Radiologen nicht ersetzen, aber Radiologen, die künstliche Intelligenz verwenden, werden Radiologen ersetzen, die dies nicht tun." - Curtis Langlotz, Radiologe in Stanford

Quelle: Nature.com

KI Systeme werden den Menschen nicht in der Radiologie oder auf einem anderen Gebiet über Nacht ersetzen. Es dauert einige Zeit bis sich Workflows, Organisationssysteme und Infrastruktur ändern. Die Technologie wird zunächst nicht perfekt sein. Zu Beginn wird künstliche Intelligenz in der Tat verwendet, um menschliche Radiologen zu unterstützen, zum Beispiel um eine zweite Meinung abzugeben oder um Bilder zu durchsuchen, um diejenigen zu priorisieren, die eine menschliche Überprüfung brauchen. Tatsächlich geschieht dies bereits. Mit der Zeit werden die Systeme jedoch aus jedem einzelnen Fehler und Erfolgserlebnis dank Machine Learning lernen.

Und wie sieht das Ganze fünf oder zehn Jahren aus? Sollte der Punkt erreicht werden, dass es unbestritten ist, dass neuronale Netze menschlichen Radiologen bei der Klassifizierung medizinischer Bilder überlegen sind: Ist es dann wirklich sinnvoll, weiterhin menschliche Radiologen zu beschäftigen? KI Systeme werden in der Lage sein, Bilder von Patienten auf der ganzen Welt sofort und ohne steigende Kosten zu überprüfen. Dabei lernen sie stetig weiter und verbessern sich gleichzeitig. 

künstliche Intelligenz

Die Herrschaft der Maschinen?

Nehmen wir an, der Worst Case ist nicht mehr abzuwenden und jeder Arbeitsplatz ist in Gefahr. Wie sieht unsere Zukunft dann aus?

Zu Beginn wird es erhebliche Verwerfungen in sozialen Schichten, Regionen und Branchen durch den Verlust von Arbeitsplätzen geben. Von Buchhaltern bis zu Börsenmaklern: Menschliche Arbeiter in der gesamten Weltwirtschaft werden feststellen, dass ihre Fähigkeiten nicht mehr gefragt sind. Immer ausgefeiltere KI Systeme können ihre Aufgaben besser, billiger und schneller erledigen. Unternehmen werden gleichzeitig immer größere Gewinne einfahren.

Die Politik muss intelligent agieren, um die Auswirkungen dieser Verwerfungen zu mildern. Die Idee eines universellen Grundeinkommens könnte im Zeitalter der KI zu einem Grundpfeiler des gesellschaftlichen Lebens werden.

Eine wichtige Dimension des durch die künstliche Intelligenz verursachten Arbeitsplatzverlusts besteht auch darin, dass einige Rollen der Automatisierung und Digitalisierung weitaus länger widerstehen als andere. Die Jobs, bei denen Menschen auf absehbare Zeit weiterhin besser abschneiden als Maschinen, werden diejenigen sein, bei denen unsere Menschlichkeit selbst eine wesentliche Rolle spielt.

Dazu gehören vor allem Rollen, die Empathie, Kameradschaft, soziale Interaktion und die „menschliche Note“ beinhalten. Beispielsweise werden menschliche Babysitter, Krankenschwestern, Therapeuten, Lehrer und Sozialarbeiter noch viele Jahre lang Arbeit finden. Maschinen haben es auf diesem Gebiet schwer. 

Ebenso werden Menschen in Kürze nicht in Berufen ersetzt, die echte Originalität und unkonventionelles Denken erfordern. Ein Sprichwort über die Beziehung zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz lautet wie folgt: Wenn die künstliche Intelligenz die richtigen Antworten kennt, besteht die wichtigste Rolle des Menschen darin, zu wissen, welche Fragen zu stellen sind. Zu den Berufen, die diese Art von Vorstellungskraft erfordern, gehören beispielsweise akademische Forscher, Unternehmer, Künstler und Schriftsteller. 

Die gute Nachricht

Kommen wir zu der guten Nachricht. Menschen werden dank intelligenter Maschinen weniger Energie für mühsame, sich wiederholende, seelenlose Aufgaben aufwenden müssen. Sie können sich darum kümmern, ihre menschlichen Beziehungen aufzubauen, die zwischenmenschliche Dynamik zu managen und kreativ zu denken. 

Heutzutage wird das Erwachsenenleben weitgehend davon bestimmt, über welche Ressourcen wir verfügen und wie wir diese Ressourcen ansammeln - mit anderen Worten, durch Arbeit in Unternehmen und Geld. Wenn wir diese Zwänge lockern, wie wird unser Leben aussehen? Die künstliche Intelligenz wird immer mehr an Verantwortung übernehmen, die wir heute tragen. In einer Welt wo wir nicht mehr arbeiten müssen, um den materiellen Wohlstand zu schaffen, können wir uns daher endlich ohne schlechtes Gewissen Dingen widmen, die unserer Leidenschaft entsprechen.

Das bedeutet konkret: Mehr Freizeit, mehr Zeit mit der Familie und Freunden, mehr Zeit für Hobbys, die uns Freude machen. Mehr Freiheit, um kreativ und produktiv zu sein - sei es in der Kunst, Musik oder Reisen. Mehr Zeit, um unserer angeborenen Neugier nachzugehen und unser Verständnis der großen Geheimnisse des Lebens vom Atom bis zum Universum zu vertiefen. Mehr Kapazität für den grundlegenden menschlichen Impuls zur Erforschung der Erde, der Meere und der Sterne.

Der KI-gesteuerte Übergang zu einer Welt nach der Arbeit wird viele Jahrzehnte dauern. Es wird überwältigend und schmerzhaft sein, doch vielleicht wird diese Digitalisierung der Anfang von etwas Schönem sein. Letztendlich könnte sie das Beste sein, was der Menschheit jemals passiert ist.

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